ARIADNE 

Ein orangerotes Kabel verläuft quer über den Willy-Brandt-Platz in München. Von seinem Studio aus kann der Fotograf Lukas Loske das Kabel sehen und fragt sich, wohin es führt, woher es kommt und wer es gelegt hat.
So beginnt eine Fotoreise des Münchners quer durch seine Heimatstadt. Vom Osten Münchens aus startet er einen am Ende 100 Kilometer langen Fußmarsch mit der Kamera – über viele Monate, in Etappen, immer am Kabel entlang. 

Entstanden ist dabei ein Porträt einer Stadt, das sich abseits der hochglänzenden Reiseführer- und Instagram-Ästhetik bewegt. Trostlos, grau, trist, verbaut – eine Seite, die alle Großstädte haben. Die Masse an Bildern, die Alltäglichkeit der Motive zeigt uns München höchst realistisch an der Peripherie, abseits der touristischen Glanzpunkte. Das Kabel gehört, wie sich herausstellt, zu einer geothermischen Messung der Stadt. Es gibt die Motive der Serie "Ariadne" vor. 

Trivial ist das nur auf den ersten Blick. Der Ariadnefaden war der griechischen Mythologie zufolge ein Geschenk der Prinzessin Ariadne an den Krieger Theseus. Mit Hilfe des Fadens fand Theseus den Weg durch das Labyrinth, in dem sich der Minotauros befand. Der "rote Faden", der sich bis heute in unserem Sprachgebrauch hält, erzählte ursprünglich vom Suchen und Finden – und von der Beschwerlichkeit und dem Glück, das der Suche innewohnt. 

Ein Fotograf ist gewohnt, seine Motive zu wählen, sie zu inszenieren. Lukas Loske geht hier den umgekehrten Weg, indem er sich auf das Wagnis der Suche einlässt und mit dem Gefundenen arbeitet. Hier ist der Weg das Ziel: Jeder kennt strahlende Bilder vom Englischen Garten im Sonnenschein, aber im Novembergrau bei 5 Grad sieht er anders aus. Doch auch das ist München. Loske entscheidet sich bewusst dafür, die Stimmung, den Geist dieses Münchens zu dokumentieren. Und nimmt uns mit auf eine Reise, die uns erkennen lässt, was das Suchen ausmacht: durch viele Bilder erst das ganze Bild zu sehen.